Die Geschichte zur Ngöndro-Mala aus Buche, Lotussamen und Lapislazuli auf rotem Band

Jede Mala ist auf den Träger persönlich zugeschnitten und jede hat eine Geschichte, die im Träger verborgen liegt. Dies hier ist die Geschichte zur Ngöndro-Mala aus Buche, Lotussamen und Lapislazuli auf rotem Band.

Die Details zu den einzelnen Materialien und die Perlenanzahl erzähle ich euch ein anderes Mal.

Unbenhgannt

Des Träumers Reise

Während sein Herz einem Kind gleich, welches begeistert und fasziniert einem Schmetterling hinterher tanzt, den Weg vorausgelaufen war, hatte sein Verstand zu Beginn noch entsetzt reagiert. Es verlor vor lauter Aufregung die Orientierung und den wegweisenden Kompass, sein Halt.

„Hör auf dich zu beschweren und lebe den Augenblick!“, rief ihm das Herz fröhlich zu. Nicht wirklich überzeugt entgegnete der Verstand:“Fein! Du bekommst eine Minute!“ So schaute es hinaus in die Welt, ließ für eine Minute alle Beschwerden, Sorgen und Ängste hinter sich. Und irgendwann flüsterte er leise, entspannt: „Es ist doch gar nicht so schlecht.“ In diesem Moment war er dem Herzen so nah, dass es ihm freundschaftlich den Rücken tätscheln und ins Ohr juchzen konnte.

Vorsichtig setzte er den linken Fußballen auf, die Balance ertastend. Seine Augen konzentrierten sich auf die Höhle im Felsen vor ihm, während seine Zehen dem Seil unter den Füssen immer wieder auf ein Neues Vertrauen abverlangten. Ein einzelner falsch gesetzter Schritt und er würde in die tiefe Schlucht fallen. Umfangen werden von dem rauschenden Gewässer, ohne zu wissen, wohin ihn das führen würde.  Ein gefährlicher Balanceakt hatte begonnen, aber er fühlte sich frisch und klar. Vor ihm lag das Plateau mit der Höhle, welches er nach all den Jahren bald erreichen würde. Es trennten ihn nur noch Minuten davon, die er mit Ruhe und Beharrlichkeit zu füllen hatte.

Lange Zeit war er auf der Suche nach diesem Berg gewesen und als er ihn gefunden hatte, schien er ihm unbezwingbar. Mutlos geworden schritt er die Felswand entlang, nicht wissend, wie der nächste Schritt nun aussehen sollte. Irgendwann hatte er ihn halb umrundet und dort sah er rechts von ihm einen weiteren Berg, den er mühelos in 2 Stunden erreichte. Ein schmaler Pfad schien sich herauf zu winden und da er ohnehin nicht wusste, was er sonst tun sollte, erkletterte er ihn.

Der Pfad schien sich wie eine Spirale um den Berg gelegt zu haben und wann immer er der Erschöpfung nahe war, fand er einen kleinen Felsvorsprung. Gerade gross genug, um sich auszuruhen und auch gefahrlos schlafen zu können. Oben angekommen entdeckte er das Seil, dass ihn zu eben jenem Berg führen würde, welchen er solange gesucht hatte. Ein Seil, dass jemand in dieser extremen Höhe gespannt hatte, um die Distanz zu überwinden.

Die darauf folgenden überschäumenden Emotionen fühlten sich wie ein rauer Sturm an. Und er stand mitten drin, unfähig sich ins Auge des Sturms zurück zu ziehen oder auf den Wellen des Windes zu reiten. Nachdem der Sturm verebbt war und er sich erholt hatte, war er bereit sich auf ein Neues in die nun kommende Ungewissheit einzulassen. Und hier war er nun. Tastete sich Schritt vor Schritt auf dem Seil vor, das Ziel fest vor den Augen haltend.

Viele Leben lang hatte er die Schule der Bewusstheit besucht und in jedem Leben etwas Neues gelernt. Das kam ihm nun zugute. Vielleicht würde er bald auch ein Zauberer der Bewusstheit sein. Allein dieser Gedanke entfachte einen schöpferischen Funken in ihm, der seine ganz eigene Melodie spielte und seinen Körper ausfüllte, ihn leicht werden ließ. Die Schritte wurden immer fließender, doch er wusste, dass er auch hier die Balance bewahren musste, damit er mit der Natur und den in dieser Höhe stetig wehenden Winden gehen und weiterhin das Seil beschreiten konnte. Nur so konnte er die Stabilität bewahren und den Fall umgehen. Dieses Wissen nutze er wie einen Balancestab. Dem langersehnten Ziel entgegen.

Wie jeder Suchende verbrachte er auf seiner Reise ungezählte Stunden damit, zu lernen, sich sein Leben, welches er führen möchte, sich zu Eigen zu machen. Ein Leben in Klarheit und Ungebundenheit, ein bewusstes Leben. Und im Laufe der Zeit erkannte er, dass er nicht die ganze Arbeit allein tun muss. Das ihm so viele Lebewesen helfend zur Seite standen und kontinuierlich die Wirklichkeit miterschafften. Über mehrere Erfahrungen hinweg lernte er, zu verstehen, dass die Kontrolle loszulassen, bedeutet, es der Synchronizität zu überlassen, ihre magische Wirkung frei zu entfalten. Indem er sich mit der Kraft seiner Zielsetzung verbindet und sie in das energetische Feld hinaus sendet. Er lernte, was es mit der Hingabe und dem Vertrauen auf sich hatte.

Auf dem Plateau am anderen Ende des Seils angekommen, schloss er erstmal kurz die Augen und atmete tief ein und aus. Er musste mit seinen Kräften haushalten, um die Oase zu finden, nach der er gesucht hatte. Langsam öffnete er die Augen wieder und betrachtete aufmerksam die Umgebung. Im ersten Moment schien ihm das Plateau leblos, bar von jeder Lebensform. Doch dann entdeckte kleine Pflanzen, deren Wurzeln sich fest zwischen den Felsritzen verankert und Halt gefunden hatten. Sogar hier, so weit oben, versteht das Leben, sich den Bedingungen einer vermeintlich lebensfeindlichen Umwelt anzupassen. Und zu gedeihen.

Erneut schloss er die Augen. Diesmal, um sich tief in sein Inneres zu versenken, um zu reflektieren. Wie innenso außen, wie außen – so innen. Langsam setzte er sich in Bewegung, ging endlich auf die Höhle zu. Und mit jedem Schritt in die Höhle hinein, schien sein Inneres mit dem Außen, mit seiner Wahrnehmung, zu verschmelzen. Umso tiefer er in sein Inneres drang, umso tiefer er in die Höhle hinein ging, umso mehr fühlte er sich getragen. Zur wahren Quelle der Weisheit geführt. Er wusste zwar seit langem, dass er nur dann die Antworten finden konnte, wenn er bereit war, die wirkliche Arbeit anzugehen, die tief in sein Inneres führte – wenn er von der Wellen schlagenden Oberfläche der Dinge absprang und in die dunklen Tiefen tauchte. Doch war es bislang nur eine dunkle Ahnung gewesen, die nun für ihn Wirklichkeit wurde. Er durchschritt mit jedem Schritt eine andere Ebene, ganz so, als würde er eine ätherische Treppe hinauf steigen. Hinauf in die unendlichen Weiten des Universums. Und auf jeder Ebene, jeder Treppenstufe,  fand er eine kleine Holzperle aus Buche. Nahm er sie auf, durchströmte ihn jedes Mal eine andere Wesenheit der Liebe. 113 Perlen sammelte er auf diese Weise ein, 113 Mal tanzte er den Reigen der Vereinigung.

Als er mit beiden Füssen auf der 114.ten Stufe stand, schlugen die Perlen aus Buchenholz freudig gegeneinander und spielten eine leise Melodie. Und im nächsten Moment fand er sich inmitten des Kelchs einer großen Lotusblume wieder. Sie schien leise zu singen und sich ab und an wie ein Glöckchen zu schütteln. Und mit jedem Schütteln füllte sich ihr Kelch mit 24 braunen Lotussamen. Mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllt, sammelte er sie ein. Da er wusste, dass ihn sein Weg weiter führte, schaute er sich suchend nach der nächsten Stufe um. Doch es war keine zu sehen. Alles, was er sah, war ein dunkelblauer Himmel voller Sterne.

Voller Vertrauen trat er einen Schritt ins Leere und als hätte man darauf gewartet, löste sich ein Stern von seinem angestammten Platz und rauschte an ihm vorbei. Schnell griff er nach dessen rotglühendem Schweif, der sich langsam abrollte und zu einem Faden spann. Und während die Sternschnuppe den Faden spann, schien sich die gesamte Welt neu zu ordnen. Es war, als würden sich die Dachkammern öffnen und die Atmosphäre mit einem hypnotisch blauen Licht verzaubern. Und das Universum schmiedete funkenschlagend 5 Perlen aus seinem dunkelblauen, glitzernden Gewand. Eine von ihnen war grösser als alle anderen Perlen und eine andere erinnerte ihn in ihrer Form an den Berg, den er bestiegen hatte. Den Berg, den er so lange gesucht hatte. Ohne sein Zutun reihten sich all die Perlen auf den roten Faden auf, verflochten sich mit jeder Schleife, die die Sternschnuppe flog, zu einem Knoten. Und vollendeten sich zu einer Mala, die ihm seine Lebensgeschichte erzählte. Jede Perle enthielt Leben in Übereinstimmung mit größeren Zusammenhängen. Der golden eingesprengselte Pyrit liess alles in einem klaren Licht erscheinen und Verstehen sowie Integrität erleben. Und damit hat die Reise erst wirklich begonnen.

“ Es ist wirklich gar nicht so schlecht.“, sprach der Verstand, während das Herz begeistert Seifenblasen aufsteigen liess und ihnen hinterher rannte.

© Christiane Amrita Schmitter

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