Dhanyavad, Dhanyavad, Dhanyavad Ananda.

„[…] Die Holztruhe ist in Handarbeit hergestellt und mit Schneelöwen und tibetischen Symbolen bemalt. Hier sehen sie auf der Vorderseite Buddhas Augen, Chhepu auf dem Deckel. Mehr wissen wir allerdings erst, wenn die wissenschaftliche Altersdatierung und auch die Restaurierung abgeschlossen ist. Sie wurde erst vor zwei Wochen bei einer archäologischen Ausgrabung freigelegt. Daneben sehen sie einen Stoffrest, vermutlich Seide, welcher mit gewirkten, puren Goldfäden gewebt wurde. […]

Während die Museumsführerin weitersprach, blieb meine Aufmerksamkeit an der Truhe haften. So alt sie auch war, so wunderschön war sie. Buddhas Augen… Ein Symbol für Avalokiteshvara, den Bodhisattva des universellen Mitgefühls. Buddhas allsehende Augen. Welche Geschichten sie wohl erzählen könnten, würde man einfach den Deckel der Truhe anheben und den gesammelten Geschichten in dessen Tiefe lauschen.

Über dem eigentlichen Augenpaar ist ein weiteres Auge aufgemalt worden, das sogenannte dritte Auge. Dieses Auge wird häufig auch mit einem Juwel verglichen. Der Legende nach strömten kosmische Strahlen aus ihm, während Buddha in Meditation versunken war. Diese Strahlen können als eine Art Verkündung der Lehre Buddhas und auch als heilende Energie zugleich verstanden werden.

Umso länger ich die Details von diesem uralten Symbol betrachtete, umso mehr versank ich in ihnen. Der verblasste Hintergrund leuchtete sanft in einem goldgelben Ockerton und liess die Augen scheinbar aus der Truhe heraustreten. „Moment mal, war die Truhe eben nicht noch ganz dunkel und matt?“, fragte ich mich leise überrascht. Hörte ich nicht was? Ganz leiser Gesang? Angestrengt legte ich den Kopf zur Seite, versuchte heraus zu finden, aus welcher Richtung das kam. Und was genau ich hörte. Um mich besser konzentrieren zu können, schloss ich die Augen. Just in diesem Moment schwoll der Gesang laut an, so wie eine Brandung gegen die Küste hämmert und Gischt sich über die Felsen türmt… So schwappte der Gesang über mich und riss mich mit. Erschrocken riess ich die Augen auf, sah den Deckel der Truhe weit geöffnet. Aus ihrem Inneren schien ein wunderschönes Licht zu leuchten, welches mich wie ein warmer Strahl umfing und sachte schwebend zu sich trug. Mitten in die Truhe hinein, in den ekstatischen Gesang.

[…] Dhanyavad, Dhanyavad, Dhanyavad Ananda. Dhanyavad, Dhanyavad, Dhanyavad Ananda. Dhanyavad, Dhanyavad, Dhanyavad Ananda. Dhanyavad, Dhanyavad, Dhanyavad Ana… […]

Das goldene Licht sang. Sie schien aus vielen Stimmen zu bestehen und sie alle zusammen sangen so überströmend, dass sie einen in Wonne erschauern liessen. Lange liess ich mich so treiben, in diesem goldenen Fluss, der zugleich aus Gesang bestand.

Irgendwann tauchte aus meinem gedankenleeren Inneren die Frage „Was diese Worte wohl bedeuten mögen?“ auf. Und als hätte der Gesang nur darauf gewartet, schien sich aus dem Stimmenmeer eine Stimme herauszulösen und mir ins Ohr zu flüstern:

„Freudiger Dank über und über; Glückseligkeit. Freudiger Dank über und über; Glückseligkeit. Freudiger Dank über und über; Glückseligkeit…

Das bedeutet, dass Dankbarkeit die Chemie unseres Körpers augenblicklich verändert – und zwar positiv. Ein Prozess der Heilung und des Vergebens kommt in Gang. Singe dieses Mantra mit Liebe und Dankbarkeit im Herzen, und dieses Gefühl wird wachsen und schließlich überströmen. Sing mit uns, schliesse dich uns an.“

Zaghaft öffneten sich meine Lippen, gaben den Weg für meine Stimme frei. Und während ich mit ihnen sang, veränderte sich meine Umgebung. Ich erkannte, dass ich inmitten einer grossen Schar buddhistischer Mönche sass.

Quelle für die Erläuterung des Mantras:
http://www.someren.de/Home/Mantratexte/Mantratexte.html
© Christiane Amrita Schmitter
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