Wie aus dem kleinen Troll Ego Schmerzkörper der Troll Selbstliebe wurde

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Menschen jeden Alters weinen manchmal, weil sie verletzt wurden. Oft verstehen sie den Schmerz nicht und laufen, auf der Suche nach der Antwort und Heilung den Schmerz verursachenden Weg mehrmals rauf und runter. Dabei richten sie häufig den Blick nach aussen, suchen den schuldigen, spitzen Stein. Auch Kindern geht es manchmal so und einmal bat mich ein Kind, zu erklären, was geschehen sei. Daraus wurde ein kleines Gute-Nacht-Märchen, dessen Anfang ich hier grobskizziert wiedergebe.

Ich liebe dich/mich

Mein Ego ist mein kleiner Freund Namens Troll. Nach westlichem Standart ist er äusserst ungewöhnlich anzuschauen. Die Füsse zeigen innwärts, er hat einen kleinen Spitzbauch, eine Himmelfahrtsnase, liebt Glitzer und seinen Doktorhut und vieles mehr. Und wirklich grosse, argwöhnisch schauende Augen. Früher ging er regelmässig zu den Treffen der anonymen Egoisten. Dort konnte er mit anderen Betroffenen um das Feuer tanzen, fühlte sich für ein paar herrliche Minuten verstanden und akzeptiert und lernte ganz erstaunliche Persönlichkeiten kennen. Rumpelstilzchen zum Beispiel. Was dem kleinen Troll ganz besonders gefiel: Wirklich jeder hörte zu, um zu antworten. Nicht um zu verstehen. Und sie hatten alle die gleichen Gesprächsthemen.

Heute besucht er sie nicht mehr, denn vor einigen Monaten nahm sein Leben eine erstaunliche Wendung. Man mag es kaum glauben, aber es war besser als der Topf voller Gold am Ende des Regenbogens, den er doch immer gesucht hatte.
Denn eines Tages, als er wieder einmal weinend und zeternd am Wegesrand sass, denn niemand hörte ihm zu, sprach ihn jemand an. Vor lauter Tränen und Rotz nahm er die Gestalt kaum wahr. Sie wirkte zudem in der Sonne recht licht, verwaschen und von einem Schein umgeben. In dem Moment verstummte er. Er wusste zwar, was Sonne ist, da er viel darüber gelesen hatte. Das musste er schliesslich wissen, wenn er den Goldtopf am Ende des Regenbogens jemals finden möchte. Aber er hatte sie noch gar nie gesehen. Hatte ihn gerade etwa die Sonne selbst angesprochen?
„W-w-w-wer bissen duuuu?“, fragt der Kleine Troll.
„Ich bin dein Zuhause.“, antwortete ich.
Das verwirrte den kleinen Troll jetzt aber sehr. Wie konnte eine Person sein Zuhause sein? Und wie konnte es sein, dass er selbst das nicht wusste? Und ausserdem…. Und dies noch… Sein Gedankenkarussell galoppierte davon, bis ihn die Stimme wieder ins Jetzt holte. Ganz Warm und Sanft.
„Es tut mir leid. Ich verzeihe dir. Ich liebe dich.“
Da schlackerten dem kleinen Troll aber ganz doll die Ohren und er lief ganz heissrot an. Sowas hatte ja niemand zu ihm gesagt! Er wusste gar nicht, was er nun tun sollte, denn bisher hatte er immer andere Erwartungen anderer Leute erfüllt, sowas gehörte bisher nicht dazu. Er brauchte aber auch gar nichts tun, denn ich sprach einfach weiter:
„Du wolltest mich eigentlich immer nur schützen. Umso mehr ich dich aber wegschob, weil mir z.B. deine Worte wehtaten oder das von dir gezeichnete Bild von einem Menschen, den ich gleich treffen wollte, nicht gefiel, umso lauter wurdest du und umso mehr Punkte sprachst du an. Heute trägst du sogar einen Doktorhut, soviel hast du studiert, um mir deine Weltsicht erklären zu können. In der Hoffnung, dass es dir die gewünschte Aufmerksamkeit bringt. Denn du wolltest immer nur geliebt werden. Es tut mir leid. Ich verzeihe dir. Ich liebe dich.“
Woher wusste sie das alles nur? Mit grossen, verschleierten Augen blickte er die Gestalt an und rang sich zu einer Entscheidung durch. Er stand auf, tastete sich halb blind zum Gebüsch rechts von ihm vor und rupfte sich eine handvoll grosser Blätter ab. Nun schnäuzte er sich kräftig die Nase, wischte sich die Augen trocken und drehte sich zögerlich um.
Da sass sie, mit weit geöffneten Armen. Alles an ihr strahlte. Ihre Augen, ihr Lächeln, ihr Herz, sogar die Haare.
„Ich bin dein Schöpfer und bisher hast du die Rolle des Schmerzkörpers eingenommen. Dadurch habe ich unglaublich viel lernen dürfen und dafür bin ich dir sehr dankbar. Nach all den Jahren muss ich nun einen neuen Weg gehen, denn den alten Weg gibt es nicht mehr. Das hat etwas mit der stetigen Veränderung zu tun. Willst du mit mir kommen und neue Dinge lernen? Da gibt es auch einen Doktorhut, wenn dir das gefällt. Du könntest von nun an mein Lehrer Selbstliebe sein.“
Was dann geschah, das ist eine Geschichte für sich. Aber soviel noch: Der kleine Troll begegnete dem inneren und dem äusseren Frieden, er lernte auch jemanden mit den Namen Entspannter Schlaf kennen und noch ganz viele andere. Sie alle brachten ihm viele neue Dinge bei. Gemeinsam riefen sie auch eine Gruppe ins Leben, die für jeden zugänglich war, jederzeit. Sie nannten sie „Ganz viele Wahrheiten.“ Und…

Das erzähle ich aber morgen. Gute Nacht.

© Christiane Amrita Schmitter

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